Am 8. Mai bekamen wir Besuch von HSK 12, dem Tabellenführer. Vorher hatten wir 7 Mannschaftspunkte und Platz 4, der HSK 10 Punkte und eine ungeschlagene Saison. Außenseiterrolle also, aber mit der Hoffnung, dem Spitzenreiter zumindest ein paar Brettpunkte abzuknöpfen.

Hat dann eher mittel geklappt.

An Brett 8 wurde persönliche Schach-Geschichte geschrieben. Leo spielte seine erste Langzeitpartie überhaupt. Bisher nur Online-Blitz mit 1700 Elo, was sich auch zeigte: Den Anfang der Partie hatte er nicht mitgeschrieben und kopierte später kurzerhand vom Notationsblatt seines Gegners. Pragmatisch. Auf dem Brett legte Leo dann los wie ein Blitzer: voll auf Angriff, völlig furchtlos. Er überrumpelte seinen Gegner, holte sich zwei Mehrbauern und parkte seine halbe Kavallerie in der gegnerischen Hälfte. Eine Sensation lag in der Luft. Dann schlug die fehlende Erfahrung zu: Erst stellte Leo seinen Springer ein, später noch die Qualität. Aus Sieg wurde Niederlage. Die Erfahrung bleibt, und die zählt langfristig mehr.

An Brett 4 spielte Thorsten gegen ein junges Talent. Thorsten hatte gegen Ende sogar ein Matt auf dem Brett. Genauer gesagt: fast. Es fehlte ein Tempo. Sein Gegner nutzte die Lücke und drehte den Spieß mit einer präzisen Schachfolge um. Aus dem Matt wurde ein Mattgesetzt-Werden. Bittere Pille.

Paulo eröffnete an Brett 6 mit der Bishop's Opening und bekam von seinem Gegner den Philidor-Konterangriff vorgesetzt. Im 10. Zug griff Paulo mit f3 etwas zu nachdrücklich nach dem Zentrum, was die Stellung schwächte. Sein Gegner revanchierte sich gleich mit einem eigenen Patzer (10...Lh5??), den Paulo mit dxe4 hätte hart bestrafen können. Stattdessen Lg5. Zwei Züge später dieselbe Geschichte: dxe4 wäre weiterhin stark gewesen, Paulo zog Lh4. Dreimal nicht zugegriffen, dreimal abgewinkt. Im 14. Zug dann der entscheidende Fehler. Paulo schlug mit 14. Sxd5 einen Bauern, übersah aber, dass sein Gegner nach 14...Dxd4! eine ganze Figur kassierte (Lc5 hatte den Springer auf d4 gepinnt). Paulo holte sich mit Sc7 und Sxa8 noch einen Turm zurück, aber der eigentliche Schaden war ein anderer: Im Damentausch entstand ein schwarzer Freibauer auf d3, der lustig in Richtung Umwandlung marschierte. Mit Be3, Lg6 und Sa5 schloss sein Gegner den Sack systematisch zu, und als der Bauer auf d2 stand und das schwarze Spiel komplett koordiniert war, gab Paulo auf.

Larissa lieferte sich an Brett 7 das ruhigste Spiel des Tages. Cambridge Springs, solide Entwicklung, keinerlei Drama. Ihr Gegner hatte zwischendurch leichten Vorteil, ließ ihn aber wieder schleifen. Nach Damentausch landete man in einem ausgeglichenen Endspiel und einigte sich im 30. Zug auf Remis. Der einzige halbe Punkt des Tages für uns.

Unser Mannschaftsführer Maxi traf an Brett 2 auf ein besonderes Kaliber. Sein Gegner hat eine DWZ von 2063 und gilt als der derzeit beste 2015er Deutschlands. In Worten: zehn Jahre alt. Maxi kämpfte beherzt, doch Aras spielte zu präzise. Niederlage, aber mit Stil.

An Brett 1 bekam Lennart mit Schwarz früh einen Mehrbauern serviert, weil sein Gegner in der Eröffnung zu locker stand. Sein Gegner bot daraufhin Remis an. Lennart, mit Vorteil und gutem Gefühl, lehnte ab. Eine Entscheidung mit langer Halbwertszeit, denn ab dem Moment lief die Partie gegen ihn. Lehre der Partie: Wenn ein gut gemeintes Remisangebot kommt, hat das manchmal seine Gründe.

Tores Partie an Brett 5  war Achterbahn pur. Erst verlor er die Qualität, dann gewann er sie zurück. Im Endspiel lag er sogar mit Zeit vorn. Doch dann übersah er eine Taktik die ihm den Sieg gebracht hätte, und kurz darauf, als wäre einmal nicht genug, stellte er einzügig den Turm ein. Aufgabe.

An Brett 3 gabs endlich einen Sieg, und was für einer. Max stand über weite Strecken schlechter, zwischendurch hatte seine Gegnerin drei (!) Mehrbauern. Im Endspiel manövrierte sich Max wieder in eine Verluststellung, kämpfte sich aber mit zähem Widerstand zurück und steuerte ein Dauerschach an. Im entscheidenden Moment wählte Eva intuitiv das falsche Königsfeld, und Max stellte einzügig matt. Schach kann grausam sein. Manchmal ist man auch grausam glücklich.

Endstand: 1,5 : 6,5

Mit dieser Niederlage bleiben wir bei 7 Mannschaftspunkten und rutschen vorläufig auf Platz 5. Vier Mannschaften haben Runde 7 noch vor sich, da kann sich noch einiges sortieren. Als nächstes geht es zu Diogenes 3 (Platz 4). Glückwunsch an HSK 12 zum souveränen Sieg.

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